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 krank  ist wie gearbeitet


Bist Du aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig oder würde Dich die Arbeit ernsthaft krank machen, kannst Du dem Arbeitgeber mitteilen: „Ich komme nicht wegen Krankheit.”
Die Pflicht zur höchstpersönlichen Arbeitsleistung nach einem Schichtplan gilt allgemein als Fixschuld. Zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt soll gearbeitet werden. Wer am Dienstagmorgen Kranke versorgen soll, kann das abends oder am Wochenende nicht nachholen.

„Mit der Festlegung der Arbeitszeit wird die Arbeitszeit des Arbeitnehmers zur Fixschuld konkretisiert. Hält der Arbeitnehmer die derart fixierte Arbeitszeit nicht ein, so hat dies zur Folge, dass die nicht erbrachte Leistung als nicht nachholbar endgültig unmöglich wird; für den Schuldnerverzug bleibt insoweit kein Raum.” (Schliemann in „Arbeitsrecht im BGB”, hrsg. Harald Schliemann, Walter de Gruyter-Verlags-GmbH / Berlin 2. Auflage, 2002, Rn 644).
„Zeitgleich mit dem Versäumen tritt damit Unmöglichkeit gemäß 275 I BGB ein.” (Bernd Rüthers in „Arbeitsrecht”, W. Kohlhammer Verlag, 2007, Rn 237).

Nicht einmal im Arbeitsvertrag darf Nacharbeiten vereinbart werden. Der Arbeitgeber verliert seinen Anspruch darauf, wenn die Leistung z.B. wegen Krankheit unmöglich oder wegen Gesundheitsgefährdung unzumutbar ist:

BGB § 275   Ausschluss der Leistungspflicht

(1)  Der Anspruch auf Leistung ist ausgeschlossen, soweit diese für den Schuldner oder für jedermann unmöglich ist.

(3)  Der Schuldner kann die Leistung ferner verweigern, wenn er die Leistung persönlich zu erbringen hat und sie ihm unter Abwägung des seiner Leistung entgegenstehenden Hindernisses mit dem Leistungsinteresse des Gläubigers nicht zugemutet werden kann.

Im Grundsatz gilt zwar: „Ohne Arbeit kein Lohn” (BGB § 326). Ist Deine Arbeit Dir wegen einer Erkrankung unmöglich oder unzumutbar, verspricht das Entgeltfortzahlungsgesetz Dir trotzdem Dein Entgelt:

ParagraflinkEntgFG

§ 3   Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

(1)  Wird ein Arbeitnehmer durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit an seiner Arbeitsleistung verhindert, ohne daß ihn ein Verschulden trifft, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen. [...]

§ 4   Höhe des fortzuzahlenden Arbeitsentgelts

(1)  Für den in § 3 Abs. 1 bezeichneten Zeitraum ist dem Arbeitnehmer das ihm bei der für ihn maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit zustehende Arbeitsentgelt fortzuzahlen.

UrteilSollte ein Beschäftigter „schichtplanmäßig eingesetzt gewesen sein und während der Zeit der Arbeitsunfähigkeit ein für ihn geltender Schichtplan bestanden haben, bestimmte sich der Zeitfaktor des fortzuzahlenden Entgelts nach den tatsächlich ausgefallenen Arbeitsstunden”
(BAG Urteil vom 26.06.2002, 5 AZR 5/01)

Beispiel: So ist's richtig!

Helgas Arbeit und Krankheit werden sauber dokumentiert. Da kommt nichts durcheinander. Darum muss sie auch nichts „nacharbeiten”.

  Übertrag   Mo Di Mi Do Fr Sa So Bilanz Übertrag
Helga Hust +7,7h  Plan  S x x x F F N 33,1h 2,3h
38,5h
7,7h, 10h
   Ist        k k k k    
                     
F  = Frühdienst 06:00 bis 14:45 Uhr / 7,7h
S  = Spätdienst 11:45 bis 20:00 Uhr / 7,7h
N  = Nachtschicht 19:30 bis 06:15 Uhr / 10h
x = Frei
k = krank

Merke:

Krank ist wie gearbeitet.

Leider gilt dies auch für unseren linkFreizeitausgleich im Krankheitsfall.

UrteilKann aufgrund von Schwankungen der Umfang der ausgefallenen Arbeit nicht exakt bestimmt werden, bedarf es der Festlegung eines Referenzzeitraums. Dessen durchschnittliche Arbeitsmenge ist dann maßgebend.
(BAG Urteil vom 21.11.2001, 5 AZR 457/000)


Ausnahme:
In NRW wurde in der verfassten ev. Kirche und ihrer Diakonie eine abstruse Sonderregel behauptet:

link BAT-KF  §6   Regelmäßige Arbeitszeit

(1)  […] Für Fehltage (Urlaub, unverschuldete Arbeitsunfähigkeit, Arbeitsbefreiung nach § 28 oder anderen entsprechenden Regelungen) wird die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit der/des Mitarbeitenden angerechnet.

Es liegt bei den Vorgesetzten, die „durchschnittliche tägliche Arbeitszeit” zu ermitteln und im Zweifelsfall nachzuweisen. Die Formel dafür:
   Stunden im Kalenderjahr vor Freistellung und Arbeitsbefreiung
   :    Zahl der individuellen Arbeitstage im Kalenderjahr
   =    durchschnittliche tägliche Arbeitszeit
Überall dort, wo Schichten unterschiedlich lang sind, führt dies zu Minus- und Plusstunden. Diese können aber erst ermittelt werden, wenn mit Ablauf des Kalenderjahres (Ausgleichszeitraum) alle Schichten verplant sind. Denn erst dann steht die Zahl der individuellen Arbeitstage fest.



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